Sind gute Führungskräfte gleichzeitig gute Mentoren?

Der Diskurs über „was eine gute Führungskraft ausmacht“ scheint nicht zuletzt in der LinkedIn-Bubble grenzenlos zu sein. Im heutigen Blogbeitrag möchten wir gemeinsam mit Stefan Mühlhauser ein (unserer Meinung nach oftmals unterschätztes) Instrument beleuchten, um Führungsskills weiterzuentwickeln.


Stefan Mühlhauser ist als aktuell als Unternehmensberater mit Schwerpunkt Digitale Transformation tätig. In seiner 15-jährigen Karriere war er als Linien-, Projekt- und Programmmanager tätig. Ausgehend von seiner Führungsausbildung an der Militärakademie fördert Stefan junge Talente. Ehrenamtlich engagiert er sich auch als Leiter von zivilgesellschaftlichen Organisationen.



Guidance: Hi Stefan, schön, dass du dir für uns Zeit nimmst! Sag gab es Persönlichkeiten auf deinem Weg, die dich inspiriert und gefördert haben? Was hat diese Personen ausgezeichnet?


Stefan: Vielen Dank für die Einladung. Ja, die gab und gibt es. Inspiriert und gefördert zu werden trägt maßgeblich zur persönlichen und fachlichen Entwicklung bei. Meine Vorbilder zeichnet aus, dass sie zielstrebig handeln und klar kommunizieren was sie denken. Darüber hinaus sind sie persönlich zugänglich, zuverlässig und offen für neue Ideen.



Guidance: Wenn man auf deinem LinkedIn-Profil landet, springt einem sofort das Schlagwort Leadership ins Auge. Was fasziniert dich genau an diesem Thema?


Stefan: Leadership ist für mich mehr als nur ein Schlagwort. Leadership ist für mich eine persönliche Einstellung und Leidenschaft. Wir sind Menschen die permanent interagieren und miteinander kommunizieren. Jeder einzelne hat seine Stärken und Vorstellungen. Durch Leadership kann all dies zusammengefasst werden, um gemeinsam mehr zu erreichen.



Guidance: Wie stark sind die Themen Mentoring und Leadership für dich verbunden? Ist ein Leader automatisch und guter Mentor und vice versa?


Stefan: Da gibt es durchaus Überschneidungen. Wenngleich Leader und Mentoren grundsätzlich unterschiedliche Aufgaben haben. Von einem guten Leader erwarten wir, dass ein motiviertes Team zuvor gesetzte gemeinsame Ziele erreicht und dass die Bedürfnisse sämtlicher Stakeholder berücksichtigt sind. Wir erwarten auch regelmäßiges Feedback von einem guten Leader und hier liegt die Überschneidung. Das Feedback dient zur persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung.

Die Einschränkung dabei ist jedoch, dass dieses zumeist auf den jeweiligen Fach- oder Themenbereich beschränkt bleibt. Mentoring geht da natürlich weiter. Damit ein Mentor bestmöglich unterstützen kann, müssen Mentee eine persönliche und vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Das braucht Zeit und die passenden Persönlichkeiten.



Guidance: Wenn du an deinen Beruf denkst, welche Dinge begeistern dich in der Zusammenarbeit mit jungen/junioren Kolleg*innen? Nimmst du hier (situativ) eine Rolle als Mentor ein?


Stefan: Junge Menschen sind eine Bereicherung in vielerlei Hinsicht. Was mich begeistert ist einerseits der Wissensdurst, den ich tagtäglich erlebe. Das ermöglicht mir Wissen und Erfahrungen weiter zu geben. Gleichzeitig bin ich gefordert die gestellten Fragen auch rasch zu beantworten. Andererseits schätze ich neue Sichtweisen und Fertigkeiten, die ins Team eingebracht werden. Das Zusammenspiel aus juniorer Dynamik und langjähriger Erfahrung lässt oftmals neue Ansätze entstehen, die zum gemeinsamen Erfolg führen.



Guidance: Wie können deiner Einschätzung nach Führungskräfte von einer Mentoring-Beziehung profitieren? Was spricht dafür?


Stefan: In zweierlei Hinsicht, nämlich als Mentor und als Mentee. Führungskräfte stehen unter Druck, Ergebnisse zu liefern. Wenn dann die Zeit drängt, Zahlen verfehlt oder Risiken Realität werden, dann bleibt die menschliche Komponente oftmals auf der Strecke. Als Mentor lernen Führungskräfte zuzuhören, Ideen gemeinsam mit ihren Mentees zu entwickeln und verstärkt auf die Bedürfnisse beispielsweise einer anderen Generation einzugehen.

Als Mentees haben Führungskräfte die Möglichkeit, ihrerseits, Vorstellungen, Herausforderungen und Ideen mit ihren erfahrenen Mentoren zu teilen. Dieser Austausch stärkt Führungskräfte in ihrer aktuellen Rolle bzw. Ebene und bereitet sie auf zukünftige Aufgaben vor.



Guidance: …und was spricht dagegen?


Stefan: Dagegen spricht sehr wenig. Für Führungskräfte als Mentoren und als Mentees gilt, dass sie die jeweilige Rolle ernst nehmen müssen. Das heißt sich auch die Zeit für den Austausch und die Reflexion zu nehmen. Wenn der Wille dazu nicht gegeben ist, dann wird der gewünschte Effekt ausbleiben.



Guidance: Wie beurteilst du die Relevanz und den Stellenwert des Themas Mentoring in unseren Breitengraden?


Stefan: Ich sehe hier eine positive Entwicklung. Mentoring ist im deutschsprachigen Raum aktuell noch wenig verbreitet. Am ehesten sind es angelsächsische Unternehmen, die Mentoringprogramme auch hier anbieten und vorantreiben. Gleichzeitig erlebe ich eine verstärkte Aufmerksamkeit auch außerhalb dieser Organisationen. Das lässt hoffen, dass der positive Trend anhält und wir mehr von Mentoring profitieren können.



Guidance: Was möchtest du unserem Netzwerk noch abschließend mitgeben?


Stefan: Das Leben ist voller Herausforderungen. Viele davon wurden schon gemeistert. Erfindet das Rad nicht dort neu, wo bereits funktionierende Ansätze etabliert sind. Dadurch schafft ihr Freiräume und Kapazitäten jene Herausforderungen anzupacken, die Innovation erfordern oder euren persönlichen Weg betreffen.